Ist die Alternative zu Nord Stream 2 flüssiges Fracking-Gas aus den USA?

Es ist kein Geheimnis, dass die US Amerikaner ihr teures Flüssiggas gewinnbringend loswerden wollen und deshalb darauf dringen, dass Nord Stream 2 erst gar nicht in Betrieb genommen wird. Doch dass gerade Deutschland sich an einer „Erpressung“ Russlands mit der Abnahme von Erdgas beteiligen soll, um sich ins eigene Fleisch zu schneiden, ist extrem trauriger Irrwitz.

Grüne Politik, die Klimaschutz zur Chefsache gemacht hat, möchte, dass ein Milliardenprojekt, in das so viel Arbeit und Material, Energie und Umweltbelastung geflossen ist, vollkommen sinnlos fertiggestellt worden ist, um sich niemals zu amortisieren, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Solcher Art Handeln ist ein Schlag ins Gesicht jedes einzelnen umweltbewussten Bürgers, der vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen ist oder für teures Geld gezwungen wird, sein Haus zu isolieren.

Die Importe von Flüssiggas sind angeblich ein Beitrag zum Klimaschutz

Und die Grünen werden es wohl schaffen, der deutschen Bevölkerung das so zu verkaufen. Deutschland ist in der Tat längst zum geostrategischen Spielball degradiert worden. Kräfte, die nicht zu bändigen sind, schaffen gerade vollendete Tatsachen durch die Schaffung von Infrastruktur. Nein, nicht die russische Ostsee-Pipeline ist gemeint, sondern insgesamt drei Flüssiggas-Terminals in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, wo bald Riesentanker aus den USA Fracking-Gas anliefern werden, das ist seitens der USA beschlossene Sache.

Dabei sind die geplanten LNG-Importe (Liquified Natural Gas) aus Sicht des Umwelt- und Klimaschutzes mehr als bedenklich. Dies geht zumindest aus einem Gutachten der Deutschen Umwelthilfe hervor. So wird das Flüssiggas in riesigen Tankern transportiert, deren Länge zum Teil 350 Meter beträgt. Mehrere solche Ungetüme werden in Stade jede Woche anlanden. Logisch, dass dafür die Elbe weiter ausgebaggert werden muss.

Überdies ist die Ladung hochexplosiv. Zufällig befindet sich im Hafen eine beeindruckende Chemiefabrik von Dow Chemical und ganz in der Nähe ist ein Atommülllager geplant. Unnötig zu erwähnen, dass ein Naturschutzgebiet direkt an den Hafen angrenzt.

 

Seit Jahren arbeiten PR-Agenturen der Gas-Lobby an der Botschaft, dass Erdgas unser Klima schützt.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wird nicht müde zu betonen, dass Gas vielleicht das wichtigste Vehikel „auf dem Weg zur klimaneutralen Gesellschaft“ sei. Wie Mecklenburg-Vorpommern hat auch Niedersachsen eine landeseigene Erdgas- oder besser LNG-Agentur, die den niedersächsischen Steuerzahlern jedes Jahr circa 750.000 Euro kostet.

Laut Weltklimarat IPCC ist Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas, für ungefähr 25 Prozent der menschengemachten Erderwärmung verantwortlich. In einem Beitrag des Fachmagazins Nature wurde kürzlich nachgewiesen, dass die Methankonzentration in der Atmosphäre gerade in den letzten 20 Jahren exorbitant zunahm.

Abgesehen davon, dass Erdgas auf jeden Fall zu den Klimakillern gehört, kommt es zusätzlich noch darauf an, wo und wie Erdgas gefördert wird. Klar, dass die Länge des Transportweges einen Einfluss haben muss, hinzu kommen die Methanlecks an den Bohrstellen und in den Leitungen, die es bei allem Bemühen nun mal gibt.

 

Hinsichtlich der Klimabilanz ist Gas eben nicht gleich Gas

Der größte Teil des Erdgases wird in den USA aus sehr tiefen, stark kompaktierten Sedimentschichten gefördert. Da der Porenraum meistens sehr dicht verpresst ist, entweicht das oftmals in Tonschiefer oder Sandstein gespeicherte Gas mitnichten freiwillig. Es muss dazu aufwendig geradezu gezwungen werden. Dafür steht das Wort „Fracking“.

Zu diesem Zweck wird Wasser unter extrem hohem Druck in diese Gesteinsschichten eingepresst, um die dort bereits vorhandenen tektonischen Störungen, die zum Teil wieder „verheilt“ sind, aufzusprengen. Auf diese Weise werden druckentlastete „Wegigkeiten“ für das Gas geschaffen, das über diese Pfade langsam zur Oberfläche hin diffundieren kann. Das Ganze wird noch mit bestimmten Chemikalien garniert, die dabei helfen sollen, den Prozess zu optimieren. Um was genau es sich bei diesen toxischen Stoffen handelt, ist natürlich Betriebsgeheimnis der daran beteiligten Konzerne.

Abgesehen von der damit verbundenen Grundwasserkontamination gilt es heute als nachgewiesen, dass Fracking Erdbeben auslöst.

Kurze Betrachtung zum erforderlichen Druck

Mit wie viel Energie die Pumpen dabei anhaltend gespeist werden müssen lässt sich vielleicht erahnen, wenn man sich einmal den enormen Gesteinsdruck vor Augen führt, der mit dem Wasserstrahl überwunden werden muss.

Pro zehn Meter Wassertiefe nimmt der Druck um eine Atmosphäre zu. Da tiefere Sedimentgesteine über Dichten von oft mehr als 2.500 Kilogramm pro Kubikmeter verfügen, macht so eine zehn Meter mächtige Gesteinsplatte einen zusätzlichen Druck von circa 2,5 Atmosphären aus. Die Bohrungen bis zu den begehrten Fracking-Positionen gehen nicht selten bis über 5.000 Meter in die Erdkruste hinein. Dort herrschen dann ein Druck um 500 x 2,5 = 1.250 Atmosphären und eine Temperatur von mehr als 160 Grad Celsius. Um das Gestein unter solchen Druck-Temperatur-Bedingungen aufzusprengen, muss chemisch behandeltes Wasser in großen Mengen mit noch höherem Druck verpresst werden.

Es geht immer was in die Umwelt verloren

Dass es zu Gaslecks kommt, ist kein Geheimnis und wird sogar im Fall der Fälle an die Umweltbehörde der USA gemeldet. Im Fachmagazin Science erschien 2018 eine Studie, aus der die Abschätzung hervorgeht, dass aus den dort offiziell gemeldeten Gaslecks circa 60 Prozent mehr Gas entwichen war, als der US-Umweltbehörde bekannt war. Die US-Umweltorganisation Environmental Defense Fund belegt mit eigenen Messungen, dass allein an den Förderstätten in den USA ungefähr 1,4 Millionen Tonnen Gas in die Luft entweichen.

Wird das Flüssiggas schließlich mit Containerschiffen über die Weltmeere verfrachtet, kommt eine weitere erhebliche Energiemenge im Verein mit Umweltverschmutzung auf die Rechnung. Zur Verflüssigung muss das Gas auf -163 Grad Celsius herunter gekühlt werden. Sinn der Sache ist die drastische Volumenreduktion des Gases auf den nur noch sechshundertsten Teil des ursprünglichen Volumens. Am Bestimmungsort angekommen erfolgt die Rückwandlung in Pipelinegas, die als „Regasifizierung“ bezeichnet wird.

Vor der Einspeisung ins Gasnetz sieht die Prozesskette von LNG so aus:

  • Gasförderung
  • Gasaufbereitung einschließlich Gastransport via Pipelines
  • Verflüssigung
  • LNG-Transport
  • Regasifizierung (optional)

Die Klimabilanz von Pipelinegas ist nachweislich etwas besser

So jedenfalls lassen sich die Ergebnisse einer diesbezüglichen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung verstehen. Es sind vor allem die geringeren Vorkettenemissionen, die diese Erkenntnis untermauern, wenngleich sich dieser Vorteil mit zunehmender Länge der Pipeline immer weiter relativiert. Die Ostseepipelines Nord Stream I und II weisen Längen um 1.200 km auf, was aber unter diesem Aspekt noch im Rahmen ist.

Ganz egal, welche wirren Entscheidungen aus vorgeschobenen politischen Beweggründen nun für oder gegen Nordstream 2 beziehungsweise die Flüssiggas-Terminals getroffen werden, Fakt ist, dass die EU beschlossen hat, bis 2050 die Verbrennung fossiler Energieträger, wozu eben auch Erdgas gehört, zu beenden. Wir sind daher gut beraten, Nordstream 2 die paar verbleibenden Tage noch zu nutzen, damit sich der Bau dieses Großprojektes wenigstens noch ein paar Prozent amortisieren kann, alles andere wäre unverantwortliche Verschwendung unserer ohnehin schwindenden Ressourcen.

Die vermeintliche Abhängigkeit vom russischen Gas, die uns die Amerikaner gebetsmühlenartig einreden, entbehrt insofern ihrer Grundlage, weil die Sowjetunion während des gesamten Kalten Krieges ohne jegliche Zwischenfälle Gas nach Europa geliefert hatte. Wer die Geschichte ein bisschen kennt, weiß, dass Handel zwischen den Nationen eine ganz wesentliche Basis für friedliches Miteinander ist.

Dieser Beitrag wurde am 07.04.2022 erstellt.

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