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Auswirkungen der steigenden Temperaturen auf die Umwelt und uns selbst

Je wärmer das Mittelmeer, desto heftiger die Stürme

Der Trend ist unübersehbar: Das Mittelmeer wird immer wärmer, seit den 1980er-Jahren hat es sich um ganze zwei Grad Celsius erwärmt. Gerade die östlichen Regionen des Meeres weisen in den letzten Jahren im Sommer immer wieder Wassertemperaturen von zum Teil mehr als 30 Grad auf, was unter dem Begriff der „Tropikalisierung“ des Mittelmeeres zusammengefasst wird. Es handelt sich dabei um eine Energiequelle ungeheuren Ausmaßes, die sich im Herbst in heftigen Stürmen entladen muss, Tendenz steigend.

Lufttemperaturen von „nur“ 32 Grad Celsius können Menschen bereits töten, und zwar auch jene, die gesund und fit sind. Warum das so ist, darauf wollen wir weiter unten eingehen. Betrachten wir zunächst die fatale Klimaentwicklung in Südeuropa. Gerade dort war der Sommer 2022 wieder einmal ein Superlativ, was die sich aneinanderreihenden Hitzewellen, häufig mit Temperaturen über 40 Grad Celsius angeht. Der Weltklimarat (IPCC) sprach in seinem Sachstandsbericht von einem „Hotspot des Klimawandels“ mit Blick auf den gesamten Mittelmeerraum.

Die heiße Luft und die hohe Strahlungsdichte lösen aber eben auch „marine Hitzewellen“ aus. Im Sommer 2022 lag die mittlere Temperatur des Oberflächenwassers des Mittelmeeres zwischen 27 und 28 Grad Celsius, so wies es das Zentrum für mediterrane Umweltstudien (CEAM) im spanischen Valencia aus.

Das sind zugleich die im Mittelmeer höchsten jemals gemessenen Temperaturen, die eher typisch für die Karibik sind. Damit ist das Wasser bis zu sechs Grad wärmer, als wir es dort gewöhnt sind. In der Folge erfährt beispielsweise der hitzegeplagte Tourist dort praktisch keine Abkühlung mehr. Die bislang so gelobte Meeresbrise verkehrt sich in einen unangenehmen heißen Föhn.

Die Tropikalisierung verändert das Ökosystem in diesem Meer dramatisch. Inzwischen haben sich dort 600 tropische Fischarten, die zum Beispiel über den Suezkanal eingewandert sind, verbreitet. Die berüchtigten und gefürchteten Feuerquallen-Invasionen gehören dazu. Dagegen werden heimische Arten, denen das Wasser viel zu warm und damit zu sauerstoffarm ist, verdrängt.

Die in den riesigen Wassermassen gespeicherten Energiemengen werden nach und nach an die Atmosphäre abgegeben. Ab September übernehmen wieder Tiefdruckgebiete mit kühlerer Luft das Regiment. Das ist dann die Stunde der Bildung verheerender Medicanes, die große Regenmengen in sehr kurzer Zeit lokal abladen und mit hohen Windgeschwindigkeiten und heftigen Gewittern verbunden sind.

In 2021 traf ein solcher Medicane im Oktober den Osten Siziliens und Malta, wobei Catania geradezu unter Wasser gesetzt wurde. Unlängst titelte die New York Times recht treffend: „Stockholm statt Rom“ und wagte so einen Blick in die Zukunft des Reiseverhaltens.

Körperliche Reaktion des Menschen auf Hitze

Claudia Traidl-Hoffmann ist Professorin am Augsburger Lehrstuhl für Umweltmedizin und zugleich die Autorin des Buches mit dem Titel Überhitzt. Nun, heiße Tage gab es schon immer und freuen wir uns doch über dieses schöne Sommerwetter, auf das wir im langen, kalten deutschen Winter alle Jahre wieder so sehnsüchtig warten. So neigen wir dazu, Hitze zu bagatellisieren, denn in Spanien oder Afrika sterben die Menschen ja auch nicht reihenweise daran. Doch stimmt das eigentlich?

Es gibt in der Tat sogenannte Kühlgrenztemperaturen, da reicht es bereits aus, nur das Haus zu verlassen, um sich irgendwo hinzusetzen und gar nichts zu tun, und man stirbt innerhalb der nächsten sechs Stunden. Das kann schon bei Temperaturen knapp über 30 Grad Celsius passieren, je nach dem Maß an Luftfeuchtigkeit, das damit einhergeht. Aber warum dieser Zusammenhang?

Das hat mit unserer Hitzeregulierung über das Schwitzen zu tun. Bei trockener Hitze verdunstet der Schweiß sofort, was unserem Körper erhebliche Verdunstungswärme entzieht. Ist die Luft aber schon mit Wasserdampf gesättigt, nimmt sie keinen weiteren mehr auf und unser Schweiß hat gar keine Chance zu verdunsten. Diese Aussage wurde gerade wieder vor Kurzem durch eine Studie bestätigt.

Zunächst gibt der Mensch viel Wasser ab, was zur Dehydrierung führt, wenn er nicht genug trinkt. Durch die Hitzeeinwirkung auf den Kopf, vor allem, wenn dieser ungeschützt ist, wird die Hirnhaut gereizt und es erfolgt der klassische Hitzschlag.

In ihre Klinik werden immer wieder junge, gesunde Dachdecker oder Straßenarbeiter mit 42 Grad Fieber eingeliefert. Bis zum Multi-Organ-Versagen dauert es dann nur noch wenige Stunden, sofern ein gewisser „Kipp-Punkt“ überschritten wurde. Man darf sich das vorstellen wie bei einem kochenden Ei. Wenn das Eiweiß angefangen hat zu gerinnen, wird es auch im Kühlschrank nicht mehr flüssig.

Kühlgrenztemperaturen werden besonders häufig überschritten im:

  • Südosten der USA
  • Norden Indiens
  • Westen Afrikas
  • Osten von China

Die meisten dieser Regionen sind sehr dicht besiedelt, zusammen stellen sie ungefähr ein Viertel der Weltbevölkerung.

Die Modellszenarien der Forschung zeichnen eine düstere Zukunft. Nur wenn wir es schaffen, noch deutlich mehr Klimaschutz umzusetzen, können wir es vielleicht erreichen, dass es nicht allzu oft zu gefährlichen Kühlgrenztemperaturen kommt. Viel wahrscheinlicher ist es aber leider, dass sich die Zahl der davon betroffenen Menschen bei Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdreifachen wird.

In Ras al-Khaimah in Dubai und in Jacobobad in Pakistan wurde im Sommer 2021 die 52-Grad-Marke überschritten. Wir müssen davon ausgehen, dass manche Regionen auf unserer Erde bald unbewohnbar sein werden.

Welche Möglichkeiten haben wir noch gegenzusteuern?

Dass der Ausstoß von Treibhausgasen drastisch reduziert werden soll, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Zumindest wird dies als “Binsenweisheit” verkauft.

Städte und Gemeinden könnten, wenn sie nur wollen, mehr Konkretes tun. Gerade die Städte müssen (noch) grüner werden, denn Bäume liefern Schatten und entziehen der Luft Verdunstungswärme. Ein einfacher Trick würde überdies darin bestehen, viel mehr helle Flächen zu produzieren, so, wie wir es von den Orten in Südspanien, Nordafrika oder dem Nahen Osten kennen, denn die Menschen wissen es schon lange, dass helle Flächen mehr Sonnenlicht direkt reflektieren und die Steine dadurch nicht so sehr aufheizen.

Dieser Beitrag wurde am 07.11.2022 erstellt.

Warum nehmen Hitzewellen und Dürren zu? Und was hat der BLOB damit zu tun?

Um diese Frage zu beantworten müssen wir uns mal den Wind anschauen.

Wind ist eine Folge des Ausgleichs zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten, wobei die Corioliskraft eine ganz entscheidende Rolle spielt. Der Klimawandel verändert nun die gewohnten großen saisonalen Windsysteme auf dem gesamten Planeten. Im Schlepptau dessen werden Extremwetter wie Dürren oder Starkregen auch in Regionen wie Mitteleuropa immer wahrscheinlicher, die bislang eher davon verschont waren. In der Arktis steigen die Temperaturen deutlich schneller als in allen anderen Klimazonen und deshalb sind gerade dort die Antworten auf viele Fragen zu finden.

Atlantische Hurrikans entwickeln sich schon seit eh und je zunächst in tropischen Zonen nahe dem Äquator und bewegen sich dann regelmäßig in Richtung Ostküste der USA, wo sie ganze Landstriche verwüsten. Doch dies geschieht nun weitaus öfter, intensiver und zu sogar außerhalb der typischen Hurrikan-Saison.

Über der gesamten Nordhalbkugel sorgen die steigenden Temperaturen dafür, dass das wichtige Windsystem „Nordpolar-Jetstream“, das sich in ungefähr zehn Kilometern Höhe befindet, ins Schlingern gerät. Dessen Winde sausen nahezu laminar mit bis zu 500 km/h von Westen nach Osten um das riesige Nordpolargebiet.

Doch in den letzten Jahren schwächelt dieser Luftstrom und das hat Folgen, insbesondere für Europa. Herbe Dürreperioden, wie sie das Jahr 2018 mit sich brachte, und Regenkatastrophen, wie sie uns beispielsweise der Sommer 2021 beschert hat, werden zukünftig immer öfter auftreten. Verursacht wird das Ganze in der Arktis, weil dort die Temperaturen schneller steigen als überall sonst auf dem Planeten.

Der Klimawandel ändert die Winde und die veränderten Windsysteme beschleunigen ihrerseits den Klimawandel, das ist ein klassischer Teufelskreis, den wir unbedingt durchbrechen müssen, denn alles hängt mit allem zusammen. Im Pazifik zum Beispiel war in den letzten Jahren eine geradezu tödliche Warmwasserblase zu beobachten.

Was hat es mit dem Blob auf sich?

Ungefähr seit der Jahrtausendwende gibt es vor der nordamerikanischen Westküste immer wieder verheerende Hitzewellen, die als „Blob“ bezeichnet werden. Zuletzt kostete ein solches dreijähriges Ereignis (2019 bis 2021) Abertausenden Walen, Robben und Seevögeln das Leben. Das Wissenschaftler-Team um Armineh Barkhordarian von der Uni Hamburg hat sich dieses Phänomens angenommen.

Der Blob nimmt auf dem Pazifik eine Fläche von bis zu drei Millionen Quadratkilometern ein. Die Wassertemperatur liegt in diesem riesigen Areal bis zu sechs Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt, viel zu warm für so viele Tiere. Außerdem begünstigt das warme Wasser eine giftige Algenblüte, die dem Wasser viel Sauerstoff entzieht.

Dass der Temperaturanstieg auf menschengemachte Treibhausgase zurückzuführen ist, ist nach Aussage der Wissenschaftler so gut wie sicher. Während des vergangenen Vierteljahrhunderts ist die Wassertemperatur im nordöstlichen Pazifik in jedem Jahr um durchschnittlich 0,05 °C angestiegen. In der Folge haben sich die Hochdruckgebiete im Winter über dem Wasser verstärkt, das heißt, die Wolkenbildung ist reduziert, sodass die Sonne das Meer nahezu ungehindert erwärmen kann, und zwar etwas mehr als die nächtliche Abstrahlung an Wärme-Energie abzieht.

Seit der Jahrtausendwende traten über 30 Hitzewellen im Pazifik auf, wodurch die Ökosysteme dramatisch belastet wurden und die Biodiversität massiv bedroht ist. Wird dabei eine kritische Schwelle überschritten, ist eine Erholung prinzipiell nicht mehr möglich.

Auch frühere Studien haben bereits aufgezeigt, dass Blob-Ereignisse durch den Klimawandel zukünftig ungefähr 20-mal wahrscheinlicher auftreten. Tatsächlich wären die Folgen katastrophal, sollte es auf unserem Planeten insgesamt um „nur“ drei Grad wärmer werden.

An düsteren Vorwarnungen zu diesem Thema hat es das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) im Rahmen seiner bislang 14 Sonderberichte nicht mangeln lassen. Dennoch veröffentlichte das Fachjournal PNAS im März 2022 seine „Perspektive“ unter dem Titel „Klima-Endspiel“.

Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), und Johan Rockström, gegenwärtiger PIK-Chef, werfen dem Klimarat und überhaupt den Entscheidungsträgern auf dieser Welt vor, sich um die alles entscheidende Frage herumzudrücken, die da lautet:

Kann der vom Menschen gemachte Klimawandel zum Zusammenbruch der Gesellschaften und sogar zum endgültigen Aussterben der Menschheit führen?

Dass der Klimarat vergleichsweise moderate Töne anschlägt, liegt sehr wahrscheinlich daran, dass er nicht der Panikmache bezichtigt werden möchte. Immerhin ist er darauf angewiesen, in seinen Formulierungen einen Konsens mit mehr als 190 Staaten zu finden. Es gibt aber noch einen gewichtigeren Grund: Würde der Klimarat jetzt schon deutlich höhere Temperaturen in Aussicht stellen, dann würde das proklamierte Ziel der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad ad absurdum geführt werden. „Wenn alles egal ist“, braucht sich niemand mehr bemühen.

Die von zunehmender Hitze betroffenen Länder in Nordafrika und am Persischen Golf sind zum einen sehr dicht besiedelt und zum anderen politisch besonders instabil, was große Gefahren birgt. Die zu erwartenden sozialen und politischen Folgen tangieren zwei Atommächte und zurzeit insgesamt sieben Hochsicherheitslabors, die die gefährlichsten Krankheitserreger enthalten. Der Weg in die Katastrophe hat viele Facetten, nicht nur Hitze, Stürme, Starkregen, Erdrutsche oder das Verschwinden ganzer Inselketten.

Wenn es in der Erdgeschichte zu einem Massenaussterben kam, war stets ein massiver Klimawandel daran beteiligt. Ganze Imperien sind nachweislich dadurch zugrunde gegangen und unsere empfindliche moderne Zivilisation ist mit Sicherheit noch weniger dagegen gefeit.

Dieser Beitrag wurde am 22.08.2022 erstellt.